Teil 1
Die Idee: Eine Jacke
Vor uns liegen Blind Spot Hoodies, die einst aufgrund ihre Einzigartigkeit vorbestellt wurden und deren Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist.
Die Fortsetzung folgt jetzt:
Ein Kapuzenpullover sieht gut aus, wirkt entspannt und besitzt dennoch Stilschärfe. Der Hoodie ist ein ganzjähriger Begleiter und bei Mono mit einer Kangarootasche ausgestattet, die durch einen Zipper verschlossen wird. Eine besondere Überraschung bietet das farbige Tascheninnenleben. Anstelle einer mittelschweren Baumwolle, nutzten wir die Gunst der griffigen Merinowolle. Im Schnitt bringt der Pullover 800 Gramm reine Wolle auf die Waage. Wir nannten ihn Blind Spot. Der Blind Spot wurde wie die meisten Hoodies gerade gestrickt und kann von passgenau bis oversized getragen werden.
Von der ersten Produktionscharge bleiben einige Hoodies in Schwarz / Picassoweisse und Royal Affaire / Illuminating Blaue übrig, die wir so nicht mehr herstellen lassen würden – Unikate, die in unserem Archiv schlummern.
Die Idee: Kapuzenjacken, neu, einzigartig und robust gegen ungemütliches Schmuddelwetter. Doch dafür war mehr als nur handwerkliches Geschick erforderlich. Wir suchten eine*n Künstler*in mit einem untrüglichen Gespür für Upcycling, einem feinen Sinn für Details und einem klaren Blick für Design und Material – jemanden, der Upcycling in Perfektion gebracht hat.
Unsere Reise führt uns nach Paris, die Stadt der Haut Couture, der Dead Stock Shops und die Wiege vieler Upcycling-Labels. Wir sind gespannt, wohin diese Reise führen wird, und wissen: Das Beste kommt erst noch.


Teil 2
Upcycling à la Parisienne
Es war kurz nach vier, als der Zug Paris erreichte. Gare de Lyon – mit Koffern und Hoodies im Schlepptau kämpften wir uns durch das Bahnhofschaos. Ziel: Barbès im 18. Arrondissement – eine Ecke, in der West- auf Nordafrika trifft und die vibriert, als hätte sie zu viel Kaffee getrunken.
25 Minuten später stiegen wir an der Station Barbès-Rochechouart aus. Die Luft roch nach Kreuzkümmel, Frittierfett und heißem Asphalt. Zwischen Markttischen, Wax-Stoffläden und winzigen Werkstätten kam Ferienstimmung auf.
Hier, in ihrer Stammkneipe „Le Môme du 18“, warteten wir auf Claudia Hägeli.
Claudia ist eine Upcycling-Künstlerin. Wie keine andere beherrscht sie die kreative Wiederverwertung von Altkleidern, Haute-Couture-Stoffresten und Industrieabfällen zu Couture-Stücken. Jedes ihrer Modelle trägt die Philosophie, Mode nachhaltiger zu machen. Damit ist sie Teil einer Bewegung, die in Paris längst Wurzeln geschlagen hat. Beispiele dafür sind „NONA-SOURCE ist die erste Plattform, die unverkaufte Stoffe und Leder aus der Couture wiederverwertet und dank des Programms LVMH-DARE den Designern zur Verfügung stellt; oder: „Les Récupérables“ die sich dem Konzept der Kreislaufwirtschaft verschrieben haben; „1/OFF Paris“, die alte Vintage-Kleidung auf Luxusniveau heben; „Hôtel Vêtements“, die alte Hotelstoffe zu tragbarer Mode recyceln; und Momoko, die „Strickärztin“, die früher bei Balmain arbeitete und heute die erste Adresse für Mottenlöcher und gezogene Fäden ist. Hier brodelt es.
Hier waren wir richtig, hier würden unsere Hoodies das perfekte Upcycling bekommen. Und das Feierabendbier mit Claudia war erst der Anfang.

Teil 3
Le 14 juillet
Der folgende Tag begann mit einem Déjeuner à la française. Es war der 14. Juli, der Nationalfeiertag der Franzosen. Wir sassen zu dritt am grossen Holztisch unserer Gastgeberin und breiteten unsere Bestände aus, bereit für die grosse Idee: Hoodies in Schwarz und Royal Affaire, Reissverschlüsse mit diesen markanten Ringen, Ringelstrick und Druckmuster. Unser Plan: eine Kapuzenjacken-Edition. Robust, herbsttauglich, sichtbar bei Nacht – mit der man gut leben kann.
Claudia, die Expertin im Zerlegen und Neuzusammensetzen von Mode, zog die Hoodies über, prüfte Längen und Weiten, kleinen Details, überlegt. Ihre Diagnose: Wir ergänzen die Hoodies mit einem wasserabweisenden Outdoorstoff.
Seit Jahren durchstöbert sie das Modeviertel von Paris nach „Deadstocks“. Sie kennt die Hotspots wie Ultramod, das LVMH Nona Source oder den Marché Saint Pierre in Montmartre, wo ungenutzte Restbestände der Couture-Häuser auf neue DesignerInnen warten. Doch heute starten wir unsere Materialsuche in ihrem Fundus.
Wir stiegen in die Metro, Linie 1 Richtung Tuileries. Ganz Paris strömte zur Parade. Wir kamen nur schneckenmäßig voran. Kurz erhaschten wir einen Blick auf ihn, Monsieur Le Président, inmitten von Pferden, Uniformen, Marschmusik und Patriotismus.
Mitten im schicken Paris, in einem Hinterhof an der 7 Rue Saint Roch, betraten wir eine alte Fabrik – das kreative Refugium des Designerduos Tsé-Tsé. Claudia hatte dort eine Auswahl an Outdoor-Stoffen für uns bereitgestellt. Wir packten die Fundstücke aus – allesamt Stoffe mit klingenden Namen, die selbst im Flüsterton Gewicht trugen. Und dann fanden wir sie: eine Stoffrolle, die so wunderbar reflektierte, so glatt wie Wasser, das sanft am Körper entlang fliesst. Es kam uns vor, als hätten wir das Schimmern auf dem Laufsteg von Balenciaga im Jahr 2018 gesehen – Deadstock-Glück eben. Der hatte es uns angetan! Die Farben harmonierten perfekt mit dem Strick, die Materialien passten zusammen wie das Fell zur Katze.
Danach verspürten wir grossen Hunger. Während die Franzosen feierten, vergnügten wir uns beim Georgier in Claudias Nachbarschaft. Im „Colchide“ an der Ecke Rue des Poissonniers / Rue du Nord wurde es herrlich deftig. Ein wahrer Geheimtipp!

Teil 4
Atelier Hägeli an der Rue Pasteur
Es war der heißeste Julitag des Pariser Sommers. Die Stadt fieberte der Eröffnung der Olympischen Spiele entgegen, als in einem historischen Moment das Baden in der Seine erlaubt wurde – eine Erfrischung für alle Mutigen und eine Premiere nach mehr als einem Jahrhundert. Doch unser Ziel lag fernab der trüben Fluten, im aufstrebenden 19. Arrondissement, liebevoll Brooklyn von Paris genannt wird. Hier, in der 26, Rue Pasteur, befindet sich das Atelier von Claudia Hägeli.
Minimalistisch in Weiss gehalten, offenbarte das Atelier Fragmente eines kreativen Designerlebens. Entwürfe, Schnittmuster, Vintage-Stücke und alles, was gerade in Arbeit war, reihte sich an langen Holzstangen an den Wänden auf. Ein kleiner Hinweis auf Hägeli’s persönlichen Modepapst hing in Form eines kleinen Plakats der Margiela/Galliera-Ausstellung im Fenster. Hier, mitten in Pantin, entsteht Mode aus den Resten der Haute Couture – von Hand gefertigt. Jedes Stück ist Teil einer Vision, die Mode neu definiert, ohne Abfall.
Besonders beeindruckend war das Hermès-Upcycling-Projekt, bei dem Hägeli Seiden-Foulards zu Tops für die Petit h-Kollektion umarbeitete. Auch ihre Zusammenarbeit mit der Künstlerin Laura Gary, für die sie Kostüme entwarf, zeugte von der engen Verbindung zwischen Kunst und Mode.
Inspiration und Austausch prägten diesen Atelierbesuch. Nach gut zwei Stunden und einem intensiven Gespräch über das Projekt Mono x Hägeli Paris widmete sich Hägeli den ersten Design-Ideen – und wir machten uns mit unverschämt guter Laune auf den Weg, um Paris mit neuen Augen zu sehen.

Teil 5
Reise Tipps Paris / Travel Notes
Fünf Stunden und mehr als 20.000 Schritte nach dem Atelierbesuch bei Hägeli sitzen wir an der steilsten Ecke von Montmartre. In der Rue Ravignan 8, abseits der Touristen, befindet sich die nette BAR CHEZ CAMILLE, die uns unsere Gastgeberin empfohlen hatte. Hier trinken wir mit den Einheimischen Bier. Was wir an diesem Tag erlebt haben und welche Empfehlungen wir für deinen nächsten Paris-Besuch haben, kannst du hier nachlesen.
Précieux déchets im CITÉ sciences et industrie – Ein Update in Sachen Kreislaufwirtschaft! Die Ausstellung in der Cité wurde ursprünglich vom Design Museum London konzipiert und zeigt auf beeindruckender Weise, wie Designer*innen weltweit innovative Lösungen entwickeln, um Abfälle in den Produktkreislauf zurückzuführen. Hier erlebten wir ein Update zum aktuellen Stand der Recyclingwirklichkeit.
Das EPHEMERA, Precious Fashion Documents in der Rue de Trévise ist ein echter Geheimtipp für Modefans. Hier findest du seltene Modebücher, Lookbooks und Runway-Einladungen, die von Pascal Monfort, einem passionierten Sammler, über Jahrzehnte zusammengetragen wurden.
CÉDRIC GROLET Paris – Auf Instagram hatten wir den Patisserie-Star entdeckt. In seinen Posts sieht man ihn, wie er mit Unmengen an Früchten und Zutaten in riesigen Pfannen Kunstwerke in Form von hyperrealistischen Früchten kreiert – und damit den Beruf des Patissiers revolutionierte. Am Ende seiner Shows beisst er genüsslich in seine eigene Kreation, nickt zufrieden und verteilt den Rest an die wartende Menge vor seinem Laden. Natürlich wollten wir dabei sein – doch leider hatte er gerade eine Pause eingelegt!
In der FONDATION CARTIER besuchen wir Matthew Barneys Ausstellung „SECONDARY“. Zum ersten Mal zeigt er seine Arbeiten in diesem Umfang und Originalformat. Im Mittelpunkt steht eine fünfteilige Video-Installation, die sich mit den Themen Körper, Sport und Gewalt auseinandersetzt. Die Fondation selbst ist ein architektonisches Meisterwerk, eingebettet in einen üppigen Garten mitten in Paris. Da wir sowohl Barney als auch Grünes lieben, war klar – da wollen wir hin.
Wir hatten uns vorgenommen, die angesagtesten Storekonzepte in Paris zu erkunden. Schliesslich landeten wir im ACNE STUDIOS Store im Marais. Mit seinen bonbonrosa lackierten Stahlträgern und Glaselememten wirkte der Store wie eine überdimensionale Schmuckschatulle – „Enjoy“ meinte der stylische Acne-Mitarbeiter und schwärmte von der einzigartigen Zusammenarbeit mit den schwedischen Stardesignern von Bozarthfornell Architects. Kein gewöhnlicher Shop – ein Paradies für Design-Fetischisten.
Für einen Kaffee und eine Tartine ins CAFÉ DE FLORE – und mit etwas Glück geniesst man seinen Kaffee neben Patti Smith. Das Café de Flore im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés ist ein ikonisches Lokal mit einer reichen Geschichte. Seit den 1880er Jahren war es ein Treffpunkt für Intellektuelle und Künstler. Hier saßen einst Sartre, de Beauvoir und Picasso – und auch heute zieht es noch berühmte Persönlichkeiten an. Ein wunderbarer Ort für eine kleine Pause.
Wir schlenderten durch die Rue Victor Hugo, als uns das CENTRE NATIONAL DE LA DANSE ins Auge fiel – ein massiver, brutalistischer Bau, entworfen von Jacques Kalisz. Das kantige Betonbau, der einst als Verwaltungsgebäude diente, wurde 2004 in ein Tanzzentrum umgewandelt. Die monumentalen Formen und scharfen Kanten fügen sich überraschend gut in das Viertel ein und wirken dennoch wie aus der Zeit gefallen.

Teil 6
Irgendwann ist immer der letzte Donnerstag vor Schluss. Am 18. Juli rollten wir ohne Gepäck Richtung Basel. Die Klimaanlage tat ihren Job gründlich – im Zug war es frostig.
Zur Erinnerung: Wir brachten eine kleine, fehlerhaft produzierte Serie von Mono Hoodies Blindspot nach Paris. Ein Stück aus der letzten Kollektion, gestrickt aus italienischer Merinowolle, aussen diskret, innen abenteuerlich – und nun bereit für ein Upcycling à la Parisienne.
In den folgenden Wochen entstanden die ersten Entwürfe.
Ein Zoom-Meeting von Basel entfernt, begann Hägeli mit Schnittmuster und Zuschnitt. Gespannt warteten wir auf die News, während die Jacke Stück für Stück Gestalt annahm.
Einen kleinen Vorgeschmack, wie Hägelis Arbeit aussehen würde, hielt sie auf Fotos fest:
Zunächst wurde die Kapuze des Hoodie Blindspot grosszügig abgeschnitten, um sie durch eine wettertaugliche zu ersetzen. Aus handverlesenen Stoffresten eines Pariser Couture-Hauses wurde die neue Kapuze geschneidert. Dabei kam auch unser Faible für Reflektierendes nicht zu kurz!
By the way: Aus den abgetrennten Kapuzen wurden fancy „Cagoules“. Aber das verdient eine eigene Story.
Die Idee, das Innenleben des Hoodies nach aussen zu stülpen und damit dem Schattendasein des farbigen Taschenfutters ein Upgrade zu verpassen, fanden wir grossartig – ein genialer Schachzug, der der Jacke eine unerwartete Sportlichkeit verpasste.
Damit aus dem Hoodie eine Jacke werden konnte, musste an der Bewegungsfreiheit getüftelt werden. Der Schnitt wurde an und unter den Armen erweitert, damit sich ein angenehmes Traggefühl einstellt.
Für den Reissverschluss hat sich Hägeli von Original inspirieren lassen, den Hoodie Taschen Reissverschlüssen – ergattert bei @moline_paris, einem der inspirierendsten Läden in Paris für Stoffe, Garne und Couture-Accessoires aus Restbeständen.

Teil 7
Was ist denn das?
Zum Rückblick: Im Sommer brachten wir eine kleine, fehlerhaft produzierte Serie von Mono Hoodies Blindspot nach Paris. Ein Stück aus der letzten Kollektion, gestrickt aus italienischer Merinowolle, dem Claudia Hägeli ein Upcycling à la Parisienne verpasst hat.
Am 3. Oktober ist es so weit: Besuch aus Paris. Treffpunkt im Finkmüller Basel. Claudia Hägeli in sommerlichen Zitrusfarben gekleidet bringt die ersten Jacken für das Shooting mit, und kündet eine kleine Zwischenbilanz an. Im Gepäck eine Überraschung.
Beim Upcycling entfernt sie zunächst grosszügig die Kapuze des Hoodies, und ersetzt sie durch eine wettertaugliche Variante. Aus der übrig gebliebenen Wollkapuze und mit ein paar essenziellen Schnitten wurde eine Cagoule mit Sendungsbewusstsein.
Es war 1854 als britische Soldaten frierend in den Schützengräben bei Balaklawa sassen. Und es waren britische Frauen, die ihre Stricknadeln schneller bewegen konnten als die Bürokraten ihre Stempel, die den Soldaten eine Art Sturmhauben strickten – warm und kratzig – aber überlebenswichtig. Sie nannten die Mützen „the Balaklawas“
170 Jahre später, schneidet Claudia Hägeli die Kapuzen unserer „Blindspot“-Hoodies ab und re-designt daraus eine Balaklava. Sie nennt sie Cagoule, gleiche Form, neuer Kontext. Kein Überlebenskampf mehr, aber immer noch rebellisch – nur jetzt gegen die Kälte der Wegwerfmode.
Magnifique, aktuell gibt es die Mono x Hägeli Cagoules unter www.ichtragmono.ch
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